Google Translate ist nett – vor allem, weil es nichts kostet. Wie Bier in der Kneipe nähert es die Menschen aneinander und erleichtert die Kommunikation. Wo liegen jedoch die Grenzen seiner Leistung? Und können wir damit richtig umgehen?

Du bist so, wie du übersetzt

Bekannte, kostenfreie Programme bekommen es ganz gut hin, wenn es um einzelne Worte oder die meisten Phrasen geht. Je mehr Menschen die beiden Sprachen sprechen (und im Internet verwenden), desto besser das Ergebnis – Englisch und Deutsch sind wohl die Favoriten. Was passiert jedoch, wenn eine der Sprachen seltener ist? Nehmen wir an, es ist Polnisch.

Auch, wenn die zweite Sprache immer noch zu den „Globalen” gehört, kann der Endeffekt Bauchschmerzen verursachen. Stellen wir uns vor, wir möchten unserem polnischen Bekannten in seiner Sprache sagen, dass er einfach der Hammer ist. Ins Englische übersetzt Google Translate:

Alles als Ganzes übersetzt, der Sinn wird beibehalten. Die Software ist anscheinend stolz auf sich und hat sich selbst ein Häkchen gegeben. Sie hat es aber verdient, gut gemacht! Google Translate, you’re amazing!

Wir ändern die Sprache rechts und sehen:

Intelligente Übersetzung, Umgangssprache erkannt? Nein! Jedes Wort einzeln übersetzt? Auch nicht! Schlimmer! Der Inhalt der rechten Seite ergibt einen Sinn – der ist aber dem Erwünschten völlig gegenteilig. Młot (polnisches Wort zu einem großen Hammer, ein Handwerkzeug nennt man młotek) ist auch eine umgangssprachliche Bezeichnung vom Dummkopf. Wir müssten also darauf hoffen, dass unser Bekannter Spaß versteht. Diesmal kann man sagen: Google Translate, jesteś…

Wie funktioniert das?

Google Übersetzer ist ein hervorragendes Spielzeug, doch beim Spielen kann man auch viel lernen. Die Fehleranalyse, insbesondere die von den lustigsten Irrtümern, hilft uns zu verstehen, wie er tickt. Man soll sich dann die Frage stellen: wie ist er denn darauf gekommen?

Google Translate kennt keine Fehlermeldungen. Wenn er gar nicht mehr durchkommen kann, kopiert er den Text von links und fügt rechts ein. Eventuell schlägt er einen Sprachenwechsel an einer der Seiten vor. Aber wieso, wenn er einen Text über eine Wadenmaschine fürs Fitnessstudio ins Polnische übersetzt, erhält er auf einmal eine „Kalbmaschine“? Wade heißt auf Polnisch łydka oder podudzie, Kalb – cielę. Keine Ähnlichkeiten festgestellt.

Übersetzungen sind wie Reisen oder Geschäfte – je mehr Zwischenstationen oder Vermittler, desto höher ist das Risiko, dass irgendwas schiefgeht. Zwischen deutscher Wade und polnischem Kalb muss es noch etwas geben – und es gibt doch was! Wade heißt auf Englisch calf, genauso wie Kalb – es sind also Homonyme. Wenn Google Translate von einer Sprache in eine andere übersetzt, behilft es sich immer mit Englisch, auch wenn es keine der beiden ausgewählten Sprachen ist. Im obigen Fall gilt: von Deutsch nach Englisch, dann von Englisch nach Polnisch. Beim zweiten Schritt vergisst die Software aber, was sie in der ersten Etappe gemacht hat. In diesem Fall ist es besonders gefährlich, denn von zwei Bedeutungen des englischen Wortes calf wählt er die Falsche aus. So landen wir aus einem Fitnessstudio in einem Kuhstall.

Ähnlich sieht die Sache aus, wenn wir das Wort Feder ins Spanische übersetzen wollen:

Unten rechts sind die Vorschläge zwar in Ordnung, dieser im Hauptfenster ist aber ein voller Blödsinn. Ändern wir die Übersetzungsrichtung:

Das ist richtig – primavera ist auf Deutsch (unten anderen) Frühling. Wie kam Google Translate dann darauf? Wieder Englisch. Diesmal ist das das Wort spring – auf Deutsch kann das sowohl eine Feder, als auch Frühling sein. Es gibt eine Unmenge von solchen Beispielen.

Gute Fahrt allerseits

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Übersetzungsprogramme – auch die Kostenfreien – können auch für die Personen attraktiv sein, die für internationale Inhalte in den Facebook-Fanpages der bekannten Unternehmen zuständig sind.

Am 21 Februar wird der Internationale Tag der Muttersprache gefeiert. Gerade an diesem Tag wollte einer der führenden deutschen Hersteller der Nutzfahrzeuge allen seinen Kunden und Fans „Gute Fahrt“ wünschen. Unter den Zielsprachen war auch Polnisch – kein Wunder, in Polen hat die Firma einige Produktionswerke. Letztendlich, aus dem deutschen Spruch „Gute Fahrt“ ergab sich eine polnische Phrase:

„Dobra jazda“

Gute = dobra, Fahrt = jazda – Wort für Wort übersetzt, kein Pole würde aber sowas sagen. Natürlich gibt keiner zu, wie er darauf gekommen ist, aber…

Der beliebteste Online-Übersetzer scheint auch ein Favorit der Person sein, die für diesen lustigen Beitrag verantwortlich ist. Gleich kamen viele polnischen Fans mit Korrekturwünschen, der Text wurde jedoch nicht nachgebessert.

Im Stress und unter Spannung? Nicht die Techniker!

Wir können alles noch technischer betrachten und in den absoluten Kompetenzkern hineingehen, nämlich in die Automobilentwicklung. Hier gibt es keinen Platz für Mehrdeutigkeiten. Deutsch ist eine konkrete und reiche Sprache, insbesondere im technischen Bereich. Englisch kann diese Vielfalt und Reichtum des technischen Wortschatzes nicht immer wiedergeben.

Der Fall, den ich beschreiben möchte, geht jedoch ein bisschen in die andere Richtung. Oft lese ich Berechnungsvorschriften für die Finite-Elemente-Simulationen der OEMs. Die FEM-Berechnungen sind bei mir vor allem Spannungsanalysen in Bauteilen oder Baugruppen. Gerade die Spannungen bereiten vielen Übersetzern (sowohl „menschlichen“ als auch elektronischen) überraschend viele Probleme. Es gibt ja mechanische Spannungen, die in meinen Analysen zutreffend sind, es gibt aber auch elektrische Spannungen. Mechanische Spannung heißt auf Englisch stress, elektrische – voltage.

Es ist kein seltener Fall, dass in der ins Englische übersetzten Version des Dokuments das Wort voltage für die mechanische Spannung steht. Das müsste natürlich kein Software-Fehler sein, selbst Google Translate schlägt mehrere Lösungen für das Wort Spannung vor. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Übersetzungssoftware nach dem Einfügen von mehreren Phrasen oder Sätzen den Faden verliert – dann ordnet sie einen Lösungsvorschlag zu, der am häufigsten im Internet vorkommt. Diesmal kann es aber genauso ein Fehler einer Person sein, die neben einem Sprachstudium kein technisches Verständnis bietet. Natürlich wird es an jeder Stelle erwähnt, dass „die englischsprachige Version nur Informationszwecken dient und in Zweifelfällen die deutsche Version verbindlich ist“. Nichtsdestoweniger, wenn zwei physikalische Größen verwechselt werden, steigt das Fehlerrisiko deutlich an. In den Zeiten der Elektromobilität werden mechanische und elektrische Spannungen immer häufiger zusammen vorkommen und sich einander beeinflussen – sowohl sprachlich, als auch rein physikalisch. Es ist also definitiv sinnvoll, bereits jetzt etwas zu tun, damit die Übersetzungen in diesem Bereich stressfrei werden.

Zusammenfassend: ich möchte den Google Übersetzer weder auslachen noch beschimpfen. Wir, Menschen, sollen dann letztendlich die Entscheidung treffen und wissen, wie viel Vertrauen wir einer Übersetzungssoftware schenken können. Die Beispiele, die ich aufgeführt habe, zeigen, dass man auch in privaten Angelegenheiten vorsichtig sein muss. Und in Zweifelsfällen ist es immer ratsam, sich einen Rat zu viel zu holen als einen zu wenig. Und zum Schluss, vergessen wir nicht: je mehr Zwischenstufen, desto höher das Risiko – in der nächsten Stufe können wir vergessen, wo wir eine Stufe zurück waren, was dazu führen wird, dass wir unser Ziel verfehlen.